Mantrailing

Neben Extrem-Couching, Freestyle-Ball-Holing und Just-For-Fun-Wald-Running betreiben wir seit einigen Jahren mehr oder weniger regelmäßig auch ernsthaften sogenannten „Hundesport“, nämlich MANTRAILING. Ich bin super gut mit der Nase, und auch der Spuck lernt bei dieser Art der Beschäftigung, sich zu konzentrieren und zielgerichtet zu arbeiten.

Wem Mantrailing nun so gar nichts sagt, für den hat Frauchen mal eine kurze Einführung verfasst, die ich hier gerne wiedergebe:

Ein Hundesport, der in den letzten Jahren an Attraktivität gewonnen hat, ist das Mantrailing. Der Begriff stammt aus dem Englischen und setzt sich zusammen aus „Man“ = Mensch und „Trail“ = Spur, Pfad. Ein Mantrailer ist jemand, der mit seinem Hund diese Art der Fährtensuche betreibt.

Seinen Ursprung hat das Mantrailing als eigenständige Arbeitsweise im Rahmen der Rettungshundearbeit in der amerikanischen Polizeihundearbeit. Dort werden wegen ihrer überdurchschnittlichen Riechleistung überwiegend Bloodhounds als Trailhunde eingesetzt. Doch auch Hunde anderer Rassen und Mischlinge eignen sich für das Mantrailing, insbesondere dann, wenn das Trailen als reiner Freizeitspaß betrieben werden soll. Trailen können Hunde jeden Alters, vom Welpen bis zum Senior, und ebenso Hunde mit körperlichen Einschränkungen (Blindheit, Taubheit, Einschränkungen des Bewegungsapparats), da Strecken und Schwierigkeitsgrade individuell dem physischen Zustand und dem Könnenstand angepasst werden.
Die selbständige Arbeit beim Trailen stärkt das Selbstvertrauen des Hundes, daher eignet sich Mantrailing auch sehr gut für Hunde mit Unsicherheiten gegenüber Menschen, Geräuschen und Situationen.
Mantrailing ist darüber hinaus ideal zur geistigen Beschäftigung. Schon ein Trail von wenigen 100 Metern lastet einen Hund nachhaltiger aus als z.B. eine Stunde intensives Ballspielen.

Im Unterschied zur klassischen Fährtensuche wird beim Mantrailing ausschließlich die Geruchsspur eines Menschen verfolgt, die sich aus winzigen Hautpartikeln, die jeder Mensch zu jeder Zeit verliert, zusammensetzt. Da Bodenverletzungen keine Rolle spielen, wird Mantrailing unabhängig von der Bodenbeschaffenheit betrieben. Mantrailer bei der Arbeit trifft man im Wald, auf Wiesen, in ruhigen Wohngegenden, in belebten Fußgängerzonen, in Einkaufszentren oder auf Bahnhöfen. Eben überall dort, wo Menschen sich bewegen können und dabei ihre individuellen Duftspuren hinterlassen.
Allerdings spielt die Witterung beim Trailen eine bedeutende Rolle. Durch Wind und lokale Verwirbelungen können die Geruchspartikel mitunter deutlich abseits der von der zu suchenden Person gelaufenen Strecke liegen, und Niederschläge, Luftfeuchtigkeit und Temperatur beeinflussen die Haftung der Geruchspartikel am Untergrund. Am Anfang sind die zu Spuren wenige Minuten alt, mit fortgeschrittenem Training können aber auch mehrere Stunden oder sogar Tage alte Spuren vom Hund erfolgreich gearbeitet werden.

Beim Mantrailing trägt der Hund ein gut sitzendes Geschirr und wird an einer langen Leine geführt. Um auf die richtige Spur zu kommen, wird dem Hund ein nach der zu suchenden Person (Versteckperson) riechender Gegenstand vor die Nase gehalten. Dies kann ein benutztes Taschentuch sein, ein Kleidungsstück, ein Schlüsselbund oder sogar ein angebissenes Brötchen. Je sicherer der Hund bei der Suche ist, desto eher kann er auch noch so kleine Geruchsspuren aufnehmen. Auf ein bestimmtes Startsignal nimmt der Hund die Spur auf. Die Aufgabe des Halters ist es nun, seinen Hund zu lesen und zu erkennen, ob er sich tatsächlich auf der gesuchten Spur befindet. Dabei darf und sollte die Leine gestrafft sein, weil der Leinenzug auch eine Ebene der Kommunikation zwischen Hund und Hundeführer darstellt. Nachlassender Leinenzug kann bedeuten, dass der Hund unsicher ist, ob er sich noch auf der richtigen Spur befindet. Begleitet wird das Mensch-Hund-Team in der Regel von einem sogenannten „Flanker“. Die Begleitperson hat die Aufgabe, den Hundeführer rechtzeitig auf z.B. sich nähernde Gefahren aufmerksam zu machen, die außerhalb des Blickfeldes des sich auf seinen Hund konzentrierenden Trailers liegen.
Je nach Leistungsstand des Hundes kann es vorkommen, dass Hilfestellungen durch den Trailer gegeben werden müssen. Dazu wird die Leine in der Regel ans Halsband gewechselt. Dies verdeutlicht dem Hund, dass nun wieder sein Mensch die Führung übernimmt. Eine probate Hilfestellung an einer Stelle, an der der Hund sich für eine von mehreren Wegabzweigungen entscheiden muss ist z.B. den Hund am Halsband ein Stück in alle Abzweigmöglichkeiten hinein zu führen. So kann er überprüfen, wo der zu suchende Geruch am stärksten ist und, sobald er wieder auf das Geschirr umgeschnallt und das Signal zum Weitersuchen bekommen hat, den richtigen Abzweig nehmen. Fortgeschrittene Hunde arbeiten solche Abzweigungen häufig sogar selbstständig aus.

Um dem Mensch-Hund-Team beim Einstieg ins Mantrailing die Suche zu erleichtern, wird die Route der Versteckperson vorher mit allen Beteiligten abgestimmt. Manche Teams markieren auch die Wegstrecke mit Pfeilen oder Fähnchen. Allerdings birgt diese Vorgehensweise die Gefahr, dass man den Hund unbewusst, durch die eigene Körpersprache beeinflusst, auf der markierten Strecke zu bleiben. Hunde, die allgemein sehr stark auf die Körpersprache ihrer Menschen reagieren oder in anderen Hundesportarten, z.B. Agility, über Körpersprache geführt werden, können dadurch Schwierigkeiten haben, wirklich selbständig zu arbeiten und der tatsächlichen Geruchsspur zu folgen, die nicht mit der gelaufenen Strecke übereinstimmen muss.

Um den Ernstfall zu simulieren, kann auch im Training dem Hundeführer die zurück zu legende Route unbekannt bleiben, so dass er sich ganz auf die Fähigkeiten seines Hundes verlassen muss. Damit man aber doch schließlich ans Ziel kommt, sollte der Flanker über die Route der Versteckperson informiert sein. So kann, falls der Hund unsicher ist, über die angemessene Hilfestellung entschieden werden.

Bei der Versteckperson angekommen, wird der Hund ausgiebig gelobt. Ein außergewöhnliches Leckerlie oder kurzes Spiel mit dem Lieblingsspielzeug verstärken die Verbindung der Suche mit der Versteckperson. Je besser der Hund verknüpft, dass am Ende der Geruchsspur eine Belohnung auf ihn wartet, desto begeisterter wird er bei der Arbeit auf dem Trail sein.

Neben der zunehmenden Bedeutung und Akzeptanz von Mantrailern bei der polizeilichen Suche nach vermissten Personen bieten auch immer mehr Hundeschulen und Einzeltrainer Mantrailingkurse und –gruppen an. Die Trainingsansätze sind zum Teil recht verschieden, einige Angebote beinhalten auch verschiedene Leistungsstufen und entsprechende Prüfungen. Bei Interesse am Mantrailing mit dem eigenen Hund empfiehlt es sich, zumindest eine fachlich fundierte Einführung in Anspruch zu nehmen. Darüber hinaus kann man Mantrailing aber grundsätzlich auch in rein privaten Gruppen oder mit Mitgliedern aus der Familie oder dem Freundeskreis betreiben.

Weiterführende Literatur zum Thema (ohne Anspruch auf Vollständigkeit):
Sabine Ditterich: Mantrailing für Jederhund ISBN 978-3-00-028887-6
Armin Schweda u.A.: Mantrailing, – Finden statt suchen ISBN 978-3-275-01833-8
Alexandra Grunow u.A.: Mantrailing, – Mit Basic-, Sport- und TheraTrailing ISBN 978-3-440-12760-5

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